Werdegang eines jungen Allein-Selbständigen

Ein trotz einer 60-Stunden-Woche ziemlich entspannt wirkender freiberuflicher Designer, vom Alter her ein „Endzwanziger“, schildert uns seinen Werdegang. Obwohl im Studium das Arbeiten in der Gruppe gefördert worden sei, habe er sich mit „Alleinarbeit“ und Alleinverantwortung immer am wohlsten gefühlt – und halte das auch heute so. Gleichzeitig versichert er, mittlerweile auch Projektkooperationen durchaus gut bewältigen zu können. Etwa 30% vom Gesamtumsatz stammen aus solchen Kooperationen, die in der Regel mit Freunden oder ehemaligen Studienkollegen durchgeführt werden.

Ihr beruflicher Werdegang?

Oberstufe Realgymnasium mit technischem Schwerpunkt, danach war ich an der Universität für Angewandte Kunst und Industrial Design, also das habe ich studiert; 

Wie war das auf der Angewandten: Haben Sie da eher allein oder in Gruppen gearbeitet?

Da gab es natürlich auch Gruppenarbeiten. Ich denke, es kommt auch aufs künstlerische Fach an. Im Entwurf … wurde es gefördert, aber nicht gefordert. Eigentlich, bis auf ein, zwei Arbeiten habe ich alles alleine gemacht (lachen), das hat sich so ergeben irgendwie. Im ersten Semester war es so, dass man alleine was gemacht hat, und ich habe mich da wohl gefühlt, wenn ich meine Sachen alleine gemacht habe, also meine Entwürfe. Ja, damit ist es mir am besten gegangen. Es gab ein, zwei Sachen, wo ich dann auch in Gruppen gearbeitet habe, und das hat dann auch ganz gut funktioniert. Das waren aber kleinere Sachen…

Was sind da Vorteile, was sind Nachteile? Gruppenarbeit und alleine?

Es war ein reger Austausch über die Arbeit, das war in Klassenform. Da war immer jemand für mich da. Es waren immer Studenten um einen herum, mit denen man über die Entwürfe gesprochen hat, es waren Assistenten da, der Professor war dann auch ab und zu da. Es war ein großer Austausch, insofern war es eh schon so eine Art Gruppenarbeit, also Kommunizieren war sehr groß geschrieben. Und das war auch sehr wichtig. Aber man hat dann schlussendlich doch auch selbst etwas durchsetzen müssen, ohne die anderen dauernd zu fragen, ob das dann auch passt. Also man kann genau das machen, was man will, was natürlich sehr reizvoll ist. Sodass ich dann auch gerne alleine gearbeitet habe. Ich wollte ausloten, was ich machen kann, wie ich mich entwickeln kann, und ich fand das schon sehr spannend und gut.

Also hat das Verhältnis von Gruppe und viel Freiraum für Alleinarbeit an der Angewandten für Sie gut gepasst?

Naja, in mancher Hinsicht war es auch nicht so toll, weil ich nach dem Studium auch immer öfter in Arbeitsgemeinschaften, Gruppen gearbeitet habe. Und weil ich das dann überhaupt nicht gewohnt war (lacht). Weil ich eben keinen Draht dazu hatte, wie man in der Gruppe arbeitet, ja, wie man das aufteilt, wie man das überhaupt angeht. Von da her war es vielleicht blöd, dass ich das nicht gemacht habe, das musste ich dann nachher mühsam lernen. Aber das geht auch. 

Kurz zum beruflichen Werdegang?

Was sehr wichtig war, ich habe sehr viele Stunden gejobbt, also in den Ferien; da habe ich bei einem Architekten gearbeitet … das war schon sehr wichtig, da rein zu kommen, in die Materie, auch weil er ein Architekt war; das war sehr gut für mich. Und dann [nach weiteren Stationen in Architektur- und Designbüros] habe ich mich dann 2007 oder 2008 selbständig gemacht. Ich war es eigentlich ohnehin immer, weil ich davor auch immer Freelancer war; also nicht angestellt war, sondern frei gearbeitet habe. Das hat sich dann so ergeben, das war jetzt nicht so ein großer Schritt; ich wusste dann auch schon sehr viel. Es ist einfach so gekommen, dass es immer mehr Aufträge wurden und ich dann das Hauptaugenmerk darauf legen und eben sagen konnte, ‚ich kann das auf diese Geschichten konzentrieren’. Und seitdem mache ich das, es sind einfach mehr Aufträge, das war der Punkt. 

Wie würdest Du Deine aktuell hauptberufliche Tätigkeit beschreiben?

Designer (lachen). Das ist schwierig, es ist ein großes und weites Feld, ich kann es nicht in einem Satz sagen. Ich bin kein klassischer Produktdesigner, weil ich momentan auch andere Sachen mache, z.B. Ausstellungsgestaltung für Architektur. Es gibt von mir einen Showroom, das sind ähnliche Geschichten, aber mit Produktaffinität. Ich würde mal sagen: Ich arbeite freiberuflich im Produktdesign und der Showroom-Gestaltung…

Und wie viele Wochenstunden?

Puh, ich würde schon so ca. 60 Stunden sagen… 

Wie kommen bei dir Projekte und Aufträge eigentlich zustande?

Du meinst, wie ich dazu komme? Ganz unterschiedlich. Teilweise ist es wirklich eine ganz klassische Anfrage, man wird gefragt, ob ich das machen kann, ob ich es mir vorstellen kann. Das ergibt sich über Kontakte, über Bekanntschaften, die man gemacht hat, über Ausstellungen, wo ich mitgemacht habe; wenn da etwas ins Rollen kommt, über Empfehlungen, das ist auch ganz unterschiedlich. Ich habe bisher noch sehr wenig Akquise gemacht, weil es bisher immer noch gut anders gegangen ist. Ich bin dabei, das langsam aufzubauen, dass ich da auch aktiv werde. Aber ansonsten ist viel darüber zustande gekommen, dass ich jemand kennen gelernt habe, der was gebraucht hat. Oder ich bin empfohlen worden und so weiter. 

Und in der Praxis, wer sind Deine Auftraggeber?

Es können mittelständische Firmen sein, teilweise auch Vereine, Kulturinstitutionen, das ist nicht überschaubar. Um dann auf deine Frage zurück zu kommen: es ist schon auch klassische Zusammenarbeit dabei, Prozentsatz weiß ich jetzt nicht genau, aber es sind oft schon größere Projekte dabei, z.B. Ausstellungsgestaltung mit einem Grafiker zusammen, weil da auch ein Katalog dabei ist und die ganzen Beschriftungen, die wir dann auch gemeinsam erarbeiten. Oder mit Architekten zusammen, die Situation gibt es auch sehr oft eigentlich. Kooperationen so 30 Prozent von allem würde ich sagen. 

Wie kommen die Kooperationen zustande?

Das ist meistens aus Freundschaften aus Studienzeiten oder Bekanntschaften, wo man im gleichen Bereich gelandet ist und sich dann für ein Projekt wieder zusammen findet. Also es ist meistens aus dem Bekanntenkreis, ja, eigentlich noch nie mit Fremden. 

Sind das meist „Fachfremde“ oder gibt es auch Kooperationen mit anderen Designern?

Mit anderen Designern zusammen arbeiten, das kommt eher selten vor, aber auch schon ein paar Mal. Wenn die Größe des Projektes für einen nicht ‚händelbar’ gewesen wäre; oder einfach irgendwann das Bedürfnis da ist, über einen gewissen Entwurf gemeinsam zu kommunizieren. So ist es bei mir. 

Welche Probleme können auftreten bei Kooperationen, wo gibt es Konfliktpotential?

Richtungsstreitigkeiten gibt es immer, wenn es um die Wurst geht. Wenn einer nicht vom Entwurf runter will, der andere schon. Das ist ein Konfliktpotential, da muss man lernen, damit umzugehen, das ist nicht zum lachen. Was noch, hm, ganz sicher auch, wie die Abrechnung funktioniert, wer wie lange gearbeitet hat. 

Auch die Urheberrechte?

Genau, wobei ich das gar nicht so sagen kann, weil es immer gut geklappt hat, mit meinen Partnern. Aber die Urheberfrage ist in einer Kooperation zwischen mehreren Partnern immer schwierig; je nachdem, wie es definiert ist, wer wie viel Leistung macht. Wenn einer 10 Prozent dazu tut, das wird dann schwierig. Werden beide genannt, wenn es eine Kooperation ist und von der anderen Partei gar kein Input kommt? Das ist dann wirklich die Frage, wie man damit umgeht. Aber sonst sage ich, sobald eine Gegenleistung da ist, ist es mit den Urheberrechten so, dass das genannt werden soll. Wenn es um Lizenzverträge geht, wie viel verdient der, wie viel der … das ist die Frage, wer dann aller genannt wird. 

Hast Du dafür ein Beispiel? Wo es nicht funktioniert hat?

Nein, ich fand das bei mir immer ok; 

Und warum funktioniert das so gut bei Dir? Was ist der Grund dafür?

(Lacht) Weil es von beiden Seite sehr gut gecheckt wird, wie man zusammenarbeitet. Es ist einfach eine wichtige und gute Voraussetzung, dass man halt auch gut befreundet ist, es geht natürlich auch um die Professionalität, dass man die von vorneherein mitbringen kann. In meinem Fall war es immer so, dass es einfach vom Naturell her sehr gut gepasst hat; sogar mal welche, die keine alten Freunde waren. Man hat sich sehr gut auf den anderen eingelassen, aber nicht, dass man total harmoniebedürftig ist, sondern schon auch mal sagt, das und das ist jetzt wichtig, das muss man so und so machen. Einfach offen zueinander sein, ja, das passt dann eigentlich meistens. 

Noch etwas: Was sind typische Anforderungen im Umgang mit den Kunden?

Ja, das ist halt eine andere Arbeit, dass es wirklich so funktioniert wie du das willst und möchtest. Man muss es zulassen, dass man verschieden arbeitet, aber auf dem gleichen Stand ist. Das hat auch Schwierigkeiten. Es ist ein Geben und Nehmen, dass man erkennen kann, was ist besser, was ist nicht so gut. Und nicht immer den eigenen Kopf durchsetzen wollen, das war schwierig und ungewohnt, am Anfang. 

Du bist mit dem bisherigen Werdegang also sehr zufrieden?

Das hat sich entwickelt, dass ich alleine meine Projekte gemacht habe und das hat gut funktioniert. Und jetzt hätte ich eigentlich auch nicht das Bedürfnis, das zu ändern, um ehrlich zu sein. Ich finde es ganz in Ordnung so, wie es ist; natürlich auch die Eitelkeit, dass es meines ist … mein Name. Wobei es am wichtigsten ist, dass etwas Gutes dabei rauskommt. Ich finde es so ganz super, wie es ist, dass ich Projekte habe, wo ich wirkliche Partnerschaften mit anderen Kleinbüros habe … und meine ganz eigenen Sachen, die ich ganz alleine mache, das ist sehr angenehm. Das ist wahrscheinlich auch so, weil ich eine kleinere Einheit bin und meine Partner auch kleinere Einheiten sind – und man da Arbeiten machen kann. Das finde ich schön, so flexibel zu sein.

Wie leicht ist es vom organisatorischen Aspekt, das alles unter einen Hut zu bringen?

Das ist natürlich schon ein Aufwand, das unternehmerische Geschäft. Also abgesehen von Projekten ist die Kommunikation und Koordination ein großer Aufwand. Das ist sicher mehr Aufwand als der klassische rein kreative Prozess. Ja, darauf könnte ich schon drauf verzichten. 

Was sind Faktoren, wo Du sagst, das waren gute Projekte?

Natürlich wenn man daneben steht oder davor, und sagt, das ist wirklich schön geworden. Ich kann voll und ganz dazu stehen. Das ist das Wichtigste, dass man dazu stehen kann, zu den Projekten. Dass man sagen kann, das ist alles in allem ein Projekt, wo ich mich nicht verstecken muss, wo ich voll dazu stehen und das auch verteidigen kann; wenn das natürlich auch bis zum Ende durchgezogen worden ist und nicht vorher schon irgendwie abgebrochen wurde. 

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